Inhaltsverzeichnis


Ein paar einleitende Worte

Mit unserem Selbstverständnis möchten wir unsere Gruppe Adelantei – Antifaschistische Linke Bonn vorstellen, um unsere politische Hintergründe und unsere Ziele und Perspektiven zu erläutern.


Wer wir sind…

Unsere Gruppe, die aus Werktätigen, Student*innen und Schüler*innenii besteht, hat sich Anfang 2013 gegründet. Neben dem Schwerpunkt Antifaschismus und Antirassismus, bieten wir eine Plattform, um gemeinsam gegen die Ausbeutung durch Lohnarbeit, die Unterdrückung der Frau sowie für eine bessere Bildung zu kämpfen. Wir stellen uns Kriegen und aggressiver Wirtschaftspolitik mit allen Mitteln entgegen. Wir fordern mehr Geld für Bildung und Sozialwesen, anstatt es in Waffen und Bankenrettungen zu investieren. Die genannten Probleme, die uns alle betreffen, verstehen wir jedoch als Symptome. Diese muss man an der Wurzel anpacken, nämlich unserem herrschenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, dem Kapitalismus.


„Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren“

Durch Weiterbildungsveranstaltungen, Diskussionen, kulturelle Abende und gemeinsame Aktionen wollen wir auch Dich dazu anregen, gesellschaftliche und staatliche Missstände zu erkennen und zu verändern. Denn wir sind überzeugt:

Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren“
[Bertold Brecht]

Wir werden nicht akzeptieren, was uns nicht passt, sondern wir suchen, finden und erkämpfen Alternativen und möchten Perspektiven schaffen.


Solidarität ist unsere stärkste Waffe

Jedem nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“
[Karl Marx]

Unsere Arbeit orientiert sich an diesem Zitat. Wir legen Wert auf gegenseitige Unterstützung, Vertrauen, engste Zusammenarbeit und Zusammenhalt. Dabei ist insbesondere Offenheit, konstruktive Kritik und Selbstreflexion gefragt.


Work in progress

Uns ist bewusst, dass durch die inhaltliche Begrenzung einige Aspekte hier eine verkürzte Darstellung erfahren. Unser Selbstverständnis werden wir deshalb nach und nach durch Links und zusätzliche Informationen erweitern, wenn wir durch Weiterbildung neue Erkenntnisse gewinnen bzw. Fortschritte machen. Dadurch hoffen wir Dir einen guten Überblick verschaffen zu können.

Hast Du Bock bekommen?

Besuch doch unsere nächste Veranstaltung oder schreib uns an

adelantebonn@rise-up.com

Oder besuche unsere Facebook-Auftritt:

www.facebook.com/pages/Adelante-antifaschistische-Linke-Bonn/141854029351032


    Das kapitalistische Wirtschaftssystem:


    Was es ausmacht, warum wir es bekämpfen und was unsere Ziele sind

    Wir leben heute im Kapitalismus. Das bedeutet, dass die Fabriken, die Rohstoffe, die Infrastruktur und überhaupt alle Produktionsmittel sich mehr und mehr in den Händen einiger weniger Leute befinden, während der absolute Großteil der Menschen dazu gezwungen ist, Lohnarbeit zu verrichten. Lohnarbeit heißt, dass – egal ob wir im Supermarkt, an einem Rechner, in einem Café, an einem Fließband oder wo auch immer arbeiten – wir dafür von der Person, die den Laden besitzt, einen Lohn ausgezahlt bekommen.
    Lohnarbeit betrifft uns alle, egal ob Arbeiter*in oder Angestellte*r, egal ob in der Produktion oder in der Dienstleistung tätig – es erscheint uns so normal, dass wir für Lohn arbeiten, dass es vielleicht schon komisch wirkt, das hier zu erklären. Uns wird aber nicht der ganze von uns erarbeitete Gewinn als Gehalt ausbezahlt, sondern einen Teil behält die Person, für die wir arbeiten und bereichert sich so an unserer Arbeit. Vom erwirtschafteten Umsatz eines Unternehmens gehen neben Kosten für Reinvestition auch die Lohnkosten ab, was übrig bleibt ist der Gewinn. Während solche Konzern- und Bankenchef*innen dicke Villen, Privatjets, Boote, und Kaviar haben, müssen auf der anderen Seite viele Leute tagtäglich für einen Hungerlohn schuften oder werden direkt auf Hartz IV geparkt. Diese Ausbeutung ist Realität nicht nur in Deutschland, sondern sieht weltweit genauso oder schlimmer aus. Ausbeutung in dieser Form ist nur möglich, weil einigen wenigen der Reichtum gehört, der von uns allen erwirtschaftet wurde.

    Die Schere zwischen Arm und Reich geht dabei immer weiter auseinander, der Reichtum konzentriert sich zunehmend, so befinden sich beispielsweise 73,8% des Wertes deutscher Unternehmen in der Hand 0,62% der deutschen Haushalteiii. Während einige Wenige fast ¾ des Reichtums besitzen, müssen immer mehr Menschen von Hartz IV leben bzw. verdienen so wenig, dass sie aufstocken müssen.


    Wirtschaftskrise und Staat

    Wichtig ist es, zu erkennen, dass nicht einzelne Politiker*innen, Banker*innen oder Unternehmer*innen an den heutigen Problemen und der Wirtschaftskrise schuld sind, sondern, dass Armut, Arbeitslosigkeit und all diese Probleme als Ursache das kapitalistische Wirtschaftssystem haben. Nicht die Gier der Manager oder irgendwelche persönlichen Fehler Einzelner haben zu dieser Situation geführt, sondern der Kapitalismus. Deshalb ist es auch unsere Aufgabe, das System zu bekämpfen und nicht seine Marionetten.
    Um dies sinnvoll tun zu können, müssen wir verstehen, was hier passiert, also bspw. warum es die Wirtschaftskrise gibt oder warum der Staat dieses oder jenes Gesetz macht. Die Krise entsteht, weil eine Art Teufelskreis besteht: Die Konzerne machen weniger Profite und senken daher die Löhne, um das auszugleichen. Wenn die Leute aber weniger Geld haben, können sie auch weniger kaufen und
    konsumieren, wodurch die Konzerne noch weniger Sachen verkaufen können und dann noch weniger Profite machen. Das nennt man
    Überproduktionskrise, wobei „Überproduktion“ nicht heißt, dass die Sachen unnötig wären – ganz im Gegenteil, viele Menschen
    weltweit haben nicht genug zu überleben – sondern nur bedeutet, dass es mehr Sachen gibt als wir kaufen können.

    In der Krise sieht man noch deutlicher als sonst, dass der Staat mit seiner Politik, mit seinen Gesetzen und Organen nicht die Interessen der Arbeiter*innen und Angestellten vertritt, sondern die Profite der Unternehmen sichert: Das sehen wir zum Beispiel daran, dass die Unternehmen durch Zeitarbeit, Leiharbeit und Minijobs immer weniger Löhne zahlen, um ihre Gewinne zu sichern. Weil die Menschen aber davon nicht leben können werden sie durch Steuergelder mitfinanziert, weil sie zu den geringen Löhnen dann noch
    Grundsicherung bekommen. Die Unternehmen zahlen also weniger und die Löhne werden aus Steuergeldern, also aus den Löhnen von allen,
    mitfinanziert.

    Wenn sich Menschen gegen diese Politik der Regierung und die Macht der Banken wehren, wie zum Beispiel bei den Demonstrationen in Frankfurt bei „Blockupy“ dann werden sie mit brutalen Polizeieinsätzen nieder geprügelt. Das macht deutlich, dass staatliche Organe wie die Polizei direkt die Interessen der Reichen sichern und notfalls gewaltsam gegen Gegner*innen vorgehen. iv


    Zur Entwicklung der Gesellschaft

    Während in der Geschichte der Menschheit die bisherigen Gesellschaften von Mangel geprägt waren, gäbe es heute eigentlich genug Nahrung, Häuser und Produkte, um alle Menschen ausreichend zu versorgen. Dass heute weiterhin Menschen verhungern oder in menschenunwürdigen Verhältnissen leben und über alle Maßen dafür arbeiten müssen, liegt also nicht wie früher daran, dass es beispielsweise auf Grund von Dürre oder Überflutung zu wenig Produkte gibt, sondern an den herrschenden Eigentumsverhältnissen und der Verteilung. Ausbeutung von Menschen durch andere Menschen hat es auch schon in Sklavenhaltergesellschaften in der Antike oder in der Leibeigenschaft im Mittelalter gegeben. Heute ist es jedoch, dank der enormen Fortschritte in der Produktion seit der Industrialisierung, eigentlich möglich, dass alle Menschen ausreichend Lebensmittel und Produkte haben, um gut leben zu können. Dafür ist es notwendig, das kapitalistische System durch ein neues Wirtschaftssystem zu ersetzen, in dem es keine Ausbeutung und keine Unterdrückung mehr geben wird.

    Für diese neue Gesellschaft mit ausreichender Lebensgrundlage für alle kämpfen wir. Dafür wird es nötig sein, dass die Gesamtheit aus Arbeiter*innen und Angestellten das Eigentum an Produktionsmitteln übernimmt. Diese müssen sich selbst organisieren und gemeinschaftlich für die Bedürfnisse aller produzieren. Zwar können wir Reformen erkämpfen und damit das
    heutige System und unsere Lebensbedingungen ein Stück weit verbessern, jedoch ändert sich mittels Reformen nichts an den grundlegenden Eigentumsverhältnissen, die wir kritisieren. Trotzdem ist es natürlich gut, auch im jetzigen System für Verbesserungen zu kämpfen, solange mensch sich dabei keine Illusionen macht, dass dadurch alle Probleme lösbar seien.


    Wie wollen wir etwas ändern?

    Doch diejenigen, die bisher von der Arbeit anderer profitieren, werden ihre bevorzugte Stellung nicht freiwillig aufgeben. Die aktuelle Wirtschaftskrise zeigt deutlich, dass das kapitalistische System nicht in der Lage und auch gar nicht Willens ist, für den Wohlstand aller Menschen zu sorgen. Mit Steuergeldern, Renten und auf Kosten der Arbeitslosen und Geringverdienenden werden die Profite von großen Unternehmen und Banken „gerettet“. Die Regierung und die etablierten Parteien vertreten die Interessen der Reichen, was die Auftrechterhaltung jener Strukturen bedeutet, die es einigen Menschen ermöglicht, an der Arbeit anderer zu verdienen – also dem Kapitalismus. Dies passiert nicht zuletzt, weil viele führenden Politiker*innen selbst als Aktionär*innen oder Aufsichtsratschef*innen von den Gewinnen der Konzerne profitieren. Die Unterdrückung und die Ausbeutung werden sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen, wenn wir nicht organisiert dagegen vorgehen.
    Schon in den zurückliegenden Jahren mit Wirtschaftskrisen sehen wir, was passiert: In Griechenland beispielsweise liegt die
    Jugendarbeitslosigkeit mittlerweile bei 64%, in Spanien bei 56,4% und beinahe ständig sollen weitere Betriebe geschlossen und staatliche
    Leistungen gekürzt werden. Gleichzeitig formiert sich eine wachsende Widerstandsbewegung auf den Straßen.

    Wenn die Konzernchef*innen ihre Profite sinken sehen, sind sie nicht nur bereit, Löhne zu senken, das Rentenalter hoch zusetzen, Arbeiter*innen zu unbezahlten Überstunden zu zwingen, Azubis nicht zu übernehmen und Leih- und Zeitarbeiter*innen einzustellen (siehe dazu BETRIEBSARBEIT). Sie gehen über Leichen und scheuen auch Krieg und Faschismus nicht, wenn das nur den Profit sichert (siehe dazu ANTIMILITARISMUS und ANTIFASCHISMUS).

    Jede*r einzelne von uns hat im Kapitalismus mit vielen Problemen zu kämpfen: Zum einen mit den finanziellen Sorgen, Stress in der Schule, auf der Arbeit, bei der Ausbildung oder in der Uni. Auf der anderen Seite mit Konkurrenzkampf, persönlichen Problemen, Mobbing, Unterdrückung von Frauen (siehe dazu ANTISEXISMUS), Diskriminierung von Homosexuellen, Selbstzweifel, Leistungsdruck und vielem mehr. Wir sind keine Verschwörungstheoretiker*innen und wollen nicht sagen, dass jede schlechte Schulnote oder jede Beziehungskrise letztlich als Ursache den Kapitalismus hat, aber wir wollen doch deutlich machen, dass Menschen, die in einem anderen System solidarisch miteinander aufwachsen und nach ihren Bedürfnissen gefördert werden, anders miteinander umgehen werden können.

    Unsere heutigen Probleme, egal ob finanziell oder persönlich dürfen uns nicht daran hindern, gemeinsam für unsere Interessen einzutreten und zusammen für eine bessere Gesellschaft zu kämpfen. Gerade auch dieser gemeinsame Kampf wird uns verbinden und uns unsere Stärke zeigen. Wir kämpfen dabei sowohl dafür, die Eigentums- und Machtverhältnisse zu verändern als auch dafür, dass wir als Menschen solidarisch miteinander leben können und nicht gezwungen werden, uns in Konkurrenzkämpfen zu zerfleischen.


    Antifaschismus

    Eines unserer wichtigsten Arbeitsfelder ist der Antifaschismus. Diese Arbeit halten wir für sehr wichtig, denn die Geschichte zeigt, wie gefährlich Faschismus und Nationalsozialismus sind und, dass es unbedingt notwendig ist, sich dem in den Weg zu stellen. Spätestens die Morde des NSU zeigen offensichtlich, dass dies ein nach wie vor wichtiges und aktuelles Problem ist, das nicht vernachlässigt werden darf. Dieses Beispiel zeigt, dass wir nicht auf den Staat und seine Behörden vertrauen dürfen wenn es um faschistische Strukturen geht, denn der Staat hat im Fall des NSU diesen nicht aktiv bekämpft, sondern ihn gedeckt und sogar unterstütztv!
    Erst durch diese staatliche Unterstützungvi ist es den Nazis in Deutschland möglich, sich zu organisieren und starke vernetzte Strukturen in ganz Deutschland aufzubauen. Diese Gruppen sind oftmals sehr gewaltbereit und bewaffnetvii.
    Seit 1990 wurden in Deutschland durchschnittlich 8 Menschen pro Jahr von Nazis getötet und der schwerste Terroraktviii der deutschen Nachkriegsgeschichte wurde ebenfalls von Nazis verübtix.
    Auch Verbrechen außerhalb von Gewalttaten begehen Neonazis auffällig oft, beispielsweise Banküberfälle. Unsere antifaschistische Arbeit
    richtet sich nicht nur gegen bekennende Faschisten und Nationalsozialisten, sondern auch gegen nicht offen Rechtsradikale, die versuchen faschistoide Ansichten auf andere Art unter die Menschen zu bringen. Beispiele hierfür sind die selbsternannte „Bürgerbewegung Pro-NRW“, andere sog. rechtspopulistische Parteien sowie auch die neue „Identitäre Bewegung“ und Thilo Sarrazin.

    Deswegen bedeutet antifaschistische Arbeit für uns einerseits die aktive Arbeit gegen Faschist*innen / Nazis, durch Protest gegen z.B. Naziaufmärsche und auch die Blockade dieser. Wir erachten Blockaden als legitimes Mittel des zivilen Ungehorsams, um zu verhindern, dass die faschistischen, rassistischen und menschenverachtenden Inhalte solcher Naziaufmärsche, Kundgebungen, Nazikonzerte etc. verbreitet werden können. Andererseits bedeutet antifaschistische Arbeit auch Aufklärungs- und Mobilisierungsarbeit, um versteckten Rassismus oder Faschismus aufzudecken und öffentlich zu machen. Dadurch wollen wir erreichen, dass immer mehr Menschen verstehen, warum Antifaschismus wichtig ist und sich ebenfalls an antifaschistischen Aktionen beteiligen. Für uns ist Faschismus keine Meinung sondern ein Verbrechen!


      Imperialismus, Krieg und Profit! Wem nützt es?

      Kriege werden uns in den letzten Jahrzehnten immer als „humanitäre Interventionen“ oder als weltpolizeiliche Antiterrormaßnahmen verkauft. Dabei geht es den Herrschenden aber nicht um das Wohl der lokalen Zivilbevölkerung, sondern um ihre eignen Profite. Die Mächtigen der großen Staaten sind die einzigen, die von den Kriegen auf der Welt profitieren.

      Bisher hat der Afghanistan-Einsatz fast doppelt so lange gedauert wie der Zweite Weltkrieg, es ist aber nicht gelungen nennenswerte Verbesserungen für die Bevölkerung zu erreichen.Um Menschenrechte oder die Verhinderung von Massenmorden geht es nicht. Im Gegenteil, die Machtverhältnisse in Afghanistan haben sich von den radikalislamischen Taliban hin zu Drogenbaronen und Warlords verschoben, die die örtliche Bevölkerung in krasser Abhängigkeit halten. Ferner wird die Wirtschaft des Landes nach den neoliberalenx
      Wünschen des Westens umgestaltet.xi
      So sind 40% der afghanischen Bevölkerung arbeitslos und gerade mal ¼ kann lesen und schreiben. Der Anteil Afghanistans am weltweiten
      Opiumanbau ist von 41% 2002 auf 79% 2008 gestiegen.xii
      Der Aufbau von Schulen oder das Bohren von Brunnen dienen dann lediglich der Besänftigung des kollektiven Gewissens.

      Ob Afghanistan, Irak, Libyen, Mali oder Kongo: westliche Truppen befinden sich auf der ganzen Welt im Einsatz, um Rohstoffe und Märkte für die westlichen Staaten und Konzerne zu sichern und die strategischen Interessen der Großmächte zu wahren. xiii
      Schließlich sind alle diese Regionen entweder reich an seltenen Metallen oder sie gehören zu den ölreichsten Gebieten des Planeten.
      So werden die abhängigen Völker und Länder auf das schärfste ausgeplündert. (siehe: IMPERIALISMUS)


      Ohne Deutschland darf nie wieder ein Krieg ausgehen

      1949 herrschte in Deutschland eine so deutliche Anti-Kriegshaltung, dass selbst der Militarist Franz-Josef Strauß posaunte: „Wer noch einmal das Gewehr in die Hand nehmen will, dem soll die Hand abfallen.“xiv
      Heute sieht die Situation anders aus:

      Deutschland ist Exporteuropameister! Europameister im Waffenhandel.xv Lediglich die USA und Russland verkaufen mehr Waffen als deutsche Rüstungskonzerne. Von der Handfeuerwaffe über Panzer bis zu U-Booten ist alles dabei. Deutsche Waffen morden in aller Welt. Kaum ein Konflikt der letzten Jahrzehnte kam ohne deutsche Waffentechnologie aus: Geht es um Profite, werden jegliche moralische Bedenken schnell über Bord geworfen und Waffen in zahlreiche Krisenregionen exportiert: Panzer nach Saudi-Arabien, Sturmgewehre nach Libyen usw.

      Deutschland exportiert jedoch nicht nur Waffen in Krisenregionen, sondern ist auch an der Ausbildung von unter anderem Polizeikräften für Diktator*innen beteiligt. So bildete die deutsche Polizei in Weißrussland und in der Türkei Polizist*innen aus, welche dort mit massiver Polizeigewalt Aufstände niederschlagenxvi.

      Zuerst wurde die Bundeswehr durch die BW-Reformen von einer Verteidigungsarmee zu einer schlagkräftigen Angriffs- und Interventionsarmee umgebautxvii, nun folgt eine nachträgliche gesellschaftliche Legitimierung:
      Bundeswehroffiziere dürfen vor Schulklassen Kriege als Mittel der Politik präsentieren, ködern Jugendliche mit „Adventure Camps“ oder werben auf Jobmessen fürs Sterben. Geld für Waffen, Soldaten und Kriegswerbung ist reichlich vorhanden, während Renten Sozialausgaben, Jugendetats oder Bildungsgelder zusammengestrichen werden. Dadurch wird die Gesellschaft einer zunehmenden Militarisierung unterzogen und es wird versucht das Image der Bundeswehr zu verbessern um Kriege zu legitimieren.

      Es werden deutsche Soldaten in zahlreiche Kriege geschickt um Deutschland Zugriff auf Rohstoffe zu sichern, was der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler sogar zugegeben hat.xviii
      Weder in Afghanistan, dem Golf von Aden, noch in Ex-Jugoslawien ging es je um Menschenrechte, sondern stets um Profit.

      Wir lassen uns nicht von dem Gerede von der vermeintlichen „Verteidigung von Menschenrechten“, „Krieg gegen den Terror“ oder „humanitären Interventionen“ blenden. Die Kriege der Gegenwart nützen niemals der breiten Bevölkerung Deutschlands oder gar den betroffenen Regionen, deren Opfer in Statistiken als Kollateralschäden abgetan werden. Kriegsprofiteure sind stets nur wohlhabende 1% der Bevölkerung. In Kriegen offenbart der Kapitalismus seinen wahren Charakter. Daher sehen wir es als Aufgabe unserer Gruppe, Widerstand gegen Krieg, Rüstung & Militarisierung zu leisten.


      Imperialismus

      Die Epoche des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird als „Imperialismus“ bezeichnet: Die westlichen Kolonialmächte teilten die Welt unter sich auf, plünderten ihre Kolonien aufs heftigste, führten Kriege und begingen Völkermorde.

      Diese Zeit zeichnete sich durch das Entstehen von Großkonzernen und Großbanken aus, die die Produktion und den Markt beherrschten. Zwischen den Konzernen und Banken entstanden personelle Überschneidungen, die auch tief in die Politik reichten. Gleichzeitig wurden die Rohstoffquellen der ganzen Welt unter den
      Großmächten aufgeteilt. Die westliche „Zivilisation“ wurde beinah der ganzen Welt aufgedrückt. Es entstanden multinationale Konzernexix mit enormer Macht.

      Dies ging mit unvorstellbaren Verbrechen einher: Als Beispiel seien hier die Kongogräuel genannt: Im belgischen Teil Kongos fanden zwischen 1888 und 1908 zehn Millionen Kongolesen mittels Sklaverei und Zwangsarbeit zur Kautschukgewinnung den Tod. Dies war etwa die Hälfte der damaligen Bevölkerung Kongos.xx

      Schon nach wenigen Jahrzehnten war die Aufteilung der Welt in wirtschaftliche Einflusszonen beendet und nur noch Kriege änderten die Aufteilung direkt: Die Konkurrenz eskalierte im Ersten Weltkrieg. Und auch der deutsche Faschismus ist in dieser Tradition zu sehen: Die deutsche Wirtschaftseliten nutzten die faschistische Bewegung, um sich mit der Einführung einer brutalen Diktatur sowie durch Krieg und Expansion traumhafte Gewinne zu sichern.xxi

      Wenn wir uns diesen kurzen Abriss anschauen, stoßen wir auf zahlreiche Parallelen zu unserem Zeitgeschehen: Nach wie vor herrscht eine starke Konkurrenz großer multinationaler Konzerne und auch zwischen Staaten- oder Militärbündnissen um Rohstoffe und Absatzmärkte. Ist die Epoche des Imperialismus wirklich beendet, oder wird sie nur mit leicht abgewandelten Mitteln fortgesetzt?

      Die „Unabhängigkeit“ der Kolonien hat kaum etwas geändert, nach wie vor halten die kapitalistischen Großmächte die neu entstandenen Staaten durch wirtschaftliche Abhängigkeit in ihrem Würgegriff. Auch während des Kalten Krieges schürten die Supermächte Kriege und Konflikte auf der ganzen Welt zu ihrem eigenen Vorteil. Und auch nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ ging es heiter weiter. Die Zahl der bewaffneten Konflikte ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Wie oft schon haben die USA Diktator*innen in Ländern installiert und sich dieser später wieder entledigt?xxii
      Die Ausplünderung moderner „Kolonien“ läuft mal versteckter über Freihandelszonen, mal über Standortverlagerung in Dritte-Welt-Länder usw. Manchmal hingegen offensichtlich, wie im Falle des „Zerfalls“ von Jugoslawien.xxiii

      Vor den Wirtschaftskrisen der 2000er Jahre produzierten die größten 300 multinationalen Konzerne 30% der Weltproduktion, bestritten 70% des Welthandels und 80% der internationalen Investitionen. Die Umsätze der 10 größten Konzerne der Erde waren größer als das BSP der 100 kleinsten Staaten zusammen.xxiv
      Und nun, zwei Wirtschaftskrisen später, dürfte sich das Verhältnis zu Gunsten der Großkonzerne weiter verschoben haben. (Mehr dazu
      unter ‚Wirtschaftskrisen‘)

      Wir sehen: Der „Imperialismus“ ist lange nicht verschwunden. Er ist ein wesentlicher Bestandteil des modernen Kapitalismus.

      Karl Liebknecht rief einst „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ und meinte damit die Profiteure von Krieg und Ausbeutung. Diese beherrschen auch heute noch viele Geschicke unseres Landes zum Nachteil der Menschen der ganzen Welt. Daher wollen wir uns den Großmachtbestrebungen deutscher Politik in den Weg stellen. Wir sehen es als unsere Aufgabe über den modernen Imperialismus, Ausbeutung und den Charakter der Kriege unserer Zeit aufzuklären und ihnen unseren Widerstand entgegen zu setzten.


      Politische Betriebsarbeit

    Die Um- und Mitgestaltung einer Gesellschaft ist dort am entscheidendsten, wo jede*r Einzelne von uns einen großen Teil ihres*seines Lebens verbringt: Auf der Arbeit, an der Uni, in der Schule.

    Ein*e „Arbeitnehmer*in“xxv hat ein anderes Verhältnis zu ihrer*seiner Tätigkeit , als ein*e Lernende*r. Sie*Er ist nicht die*der Kund*in oder das Produkt ihrer*seiner Anstalt, wie ein*e Schüler*in oder Student*in. Ein*e Lohnabhängige*r steht in diesem Abhängigkeitsverhältnis, sodass das Selbstbewusstsein oder Mut, ihre*seine Umgebung umzugestalten, gering ist. Es scheint ganz natürlich zu sein, dass wenn man für etwas bezahlt wird, man sich mit den gegebenen Umständen abfinden soll. Schließlich hat man einen Job und es gibt immer noch Jemanden, der schlechter dran ist, als man selbst. Dieses unzureichende Bewusstsein muss durchbrochen werden und die Beschäftigten müssen erkennen, dass die eigenen Interessen den Interessen der*s Arbeitgeber*in widersprechen und anfangen sich für ihre eigenen Interessen einsetzen.

    Um dies zu erreichen, ist es wichtig, dass die Arbeiter*innen Vertrauen zu einander gewinnen und sich mit einander vernetzen. Der Austausch über die eigene Situation und die Erkenntnis, dass Probleme auf der Arbeit oft nicht individuelle Ursachen haben und oft auch Andere betreffen ist sehr wichtig. Probleme gemeinsam zu bekämpfen, ist der Weg einer erfolgreichen Betriebsarbeit.

    Wir wollen den Werktätigen Wege aus der scheinbaren Ausweglosigkeit aufzeigen. Dazu dienen Beispiele erfolgreicher Betriebskämpfe und die dabei angewendeten Methoden. Auch Schutz vor möglichen Problemen (Einschüchterungen, Repressionen) muss ein Thema sein. Es ist dennoch wichtig, dass die Werktätigen ihre eigenen Ziele formulieren und die Methoden wählen, um diese zu erreichen.

    Was ist das Ergebnis, das man anstreben sollte? Natürlich sind positive Ergebnisse wichtig: eingeknickte*r Chef*in, Verbesserung der Arbeitsbedingungen, keine Abmahnungen oder Kündigungen. Das wichtigste Ergebnis ist aber, dass die Beschäftigten sich selbst vernetzen, mit der*dem Chef*in sprechen und andere auch unangenehme Aufgaben übernehmen. Nichts ist für die oben genannten Ziele gefährlicher, als gewollt oder ungewollt zur*m Stellvertreter*in für die Werktätigen zu werden.

    Letztendlich muss versucht werden, den Mut für die Umgestaltung des scheinbar ungestaltbaren zu gewinnen und dann den Blick über den Tellerrand zu öffnen. Die Erfahrung, dass das eigene Handeln positive Veränderung bewirkt, ist das wichtigste Ergebnis und kann bewirken, dass der Kampf auf die Gesellschaft übergeht.


    Kürzungen/Kultur,
    Bildung, Soziales

    Wir müssen den Gürtel enger schnallen“ – Diesen Satz hören wir oft von Politiker*innen, wenn es um die Staatsausgaben geht. Die Welt befindet sich in einer Krise und deswegen sollen wir Kürzungen hinnehmen – Lohnkürzungen, Sozialkürzungen, Kulturkürzungen. Doch was bedeutet das konkret für uns? Stehen die Finanzen wirklich so schlecht, und heißt „den Gürtel enger schnallen“, dass wir das alle tun müssen, oder profitieren auch manche von diesen Kürzungen und können es sich leisten den Gürtel weiter zu lockern? All diese Fragen beschäftigen uns, da sie uns in vielen Bereichen unseres Lebens betreffen: Wir merken, was es heißt „den Gürtel enger zu schnallen“. Es heißt 5 Tage in der Woche arbeiten zu gehen und trotzdem nur einen Niedriglohn zu erhalten, oder monatelang für ein Praktikumsgehalt zu schuften und trotzdem nicht übernommen zu werden – also eine noch schwierigere Situation in einer ohnehin schon katastrophalen Lage.


    Bildung

    Trotz der Erfolge des Bildungsstreiks – die Abschaffung von Kopfnoten und Studiengebühren – sind Schulen und Unis weiterhin unterfinanziert. Die Hörsäle und Klassenräume sind überfüllt, es gibt nicht genügend Lehrpersonal, die Gebäude sind oft in schlechtem Zustand. Der Haushalt für Bildung betrug im Jahr 2012 12,9 Milliarden Euro, dagegen waren für das Verteidigungsministerium 31,87 Milliarden Euro vorgesehen. Jedoch wird im Bereich Bildung wesentlich mehr Geld benötigt.xxvi
    Aufgrund von G8 und dem Bachelor/Master-System müssen Schüler*innen und Student*innen immer mehr Stoff in immer weniger Zeit bewältigen, wer dabei auf der Strecke bleibt findet keine Unterstützung. Ziel ist es, möglichst schnell Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt verfügbar zu machen.

    Als Auszubildende*r muss man oft Hilfsarbeiten erledigen, die wenig mit dem eigentlichen Beruf zu tun haben oder unbezahlte Überstunden schieben. Die Ausbildungsvergütung reicht selten zum Leben und die Berufsausbildungsbeihilfe ist in den häufigsten Fällen ein Witz. In den Berufsschulen sind die Lehrer*innen häufig nicht zum Unterrichten geeignet da viele von ihnen Quereinsteiger*innen ohne pädagogische Ausbildung sind. Die Räume sind zu klein oder schlecht ausgestattet und die Unterrichtsmaterialien veraltet oder teuer.

    Die Universitäten wurden mit der Bologna-Reform quasi zu privaten Einrichtungen erklärt, die für einen Großteil ihrer Finanzen selbst aufkommen müssen. Dies geschieht oft über große Forschungsprojekte, das heißt, dass hier die Unternehmen, die die Projekte finanzieren, den Ton angeben und dabei die Finanzierung des Unterrichts oft nur mager ausfällt.

    Aufgrund des mehrgliedrigen Schulsystems gibt der soziale Hintergrund in Deutschland – wie in keinem anderen Land – auch den Bildungsweg eines Kindes vor, denn viele Familien können sich Nachhilfe oder Ähnliches nicht leisten und die Finanzierung eines Studiums ist weiterhin schwierig. Während 45 Prozent der Kinder aus nicht-akademischen-Familien den Einstieg in die Oberstufe schaffen und davon 53 Prozent die Hochschulstufe erreichen, sind es bei Kindern aus akademischen Familien 81 Prozent, die die Oberstufe erreichen und davon 88 Prozent, die einen Hochschulzugang erlangen.xxvii


    Jugendangebote

    Auch in Bezug auf die Jugendzentren gibt der Staat seine Verantwortung immer weiter ab. Die wenigen Jugendzentren, die es gibt, sind oft in ihrer Existenz bedroht, da trotz weitestgehend freiwilliger Arbeit das Geld nicht reicht. So werden viele Einrichtungen entweder geschlossen, oder die Kommunen geben diese dann an private Träger ab, wodurch sie meist kostenpflichtig werden und vielen so der Zugang verwehrt bleibt. Ähnlich sieht es mit Jugend- und Sportvereinen, Schwimmbädern oder anderen Freizeitmöglichkeiten aus. Solche kostenlosen Angebote sind aber sehr wichtig für Jugendliche, denn hier verbringen sie einen großen Teil ihrer Freizeit, welche auch zur persönlichen Entwicklung beiträgt. Sie schließen Freundschaften und finden hier Bezugspersonen. Fallen solche Angebote weg wird vielen Jugendlichen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verwehrt, stattdessen suchen sie sich Alternativen, welche sich häufig in Gewalt, Drogen und Kriminalität äußern.


    Kinderbetreuung

    Da Eltern immer mehr arbeiten müssen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, findet die Erziehung der Kinder zu immer größeren Teilen außerhalb der Familie statt. Jedoch ist Kinderbetreuung Mangelware – auf einen Platz muss man oft lange warten, Lehrer*innen und Erziehende werden meist gering bezahlt und die Arbeitsbedingungen sind schlecht, da oft viel zu wenig Kräfte eingestellt werden können. So wird auch ein großer Teil dieser Arbeit auf ehrenamtliche Kräfte, Praktikant*innen oder FSJler*innen übertragen. Trotzdem ist meist immer noch zu wenig Betreuung vorhanden. Neben der langen Wartezeit bereiten auch die Gebühren von KiTas und Kindergärten Schwierigkeiten. Bei städtischen Einrichtungen müssen die Eltern im Jahr durchschnittlich zwischen 210 Euro und 585 Euro aufbringen, für private Einrichtungen sogar mehr als 1000 Euro monatlichxxviii. Hat man erst mal einen Platz ergattert, den man auch halbwegs finanzieren kann, sind die Betreuungszeiten in vielen Fällen nicht wirklich mit den Arbeitszeiten der Eltern vereinbar. Für Eltern, die stattdessen ihre Kinder zu Hause betreuen, will die Bundesregierung ab August 2013 das Betreuungsgeld einführen. Diese „Herdprämie“ soll 100 bis 150 Euro betragen, allerdings ist noch nicht klar, ob dies auch für Beziehende von Hartz IV gelten soll. Besonders für Frauen stellt sich dann die Frage: bleibe ich zu Hause und hänge meine Karriere an den Nagel, oder werde ich als „Rabenmutter“ abgestempelt? Auch sind viele Familien schlicht auf ein zweites Einkommen angewiesen und können es sich nicht leisten, dass ein Elternteil komplett zu Hause bleibt. Die „Herdprämie“ der Bundesregierung ist dabei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.


    Kultur

    Einen Besuch im Theater können sich auch immer weniger Menschen leisten.
    Kulturangebote werden immer teurer und damit zu einem Privileg, denn im Hartz IV Regelsatz, mit dem sehr viele Familien auskommen müssen, sind derlei Kosten nur sehr knapp bemessen. Für ein Kind über 13 Jahren sind für Freizeit und Kultur 30,58 Euro vorgesehen, wobei
    hier noch Schreibwaren und Schulmaterial mit einbezogen werdenxxix.


    Sozialleistungen

    Den Gürtel enger schnallen“ und somit weniger „verschwenderisch“ zu leben, scheint für viele Menschen die Hartz IV beziehen, oder aufstocken müssen, absurd. Wo soll man noch sparen, wenn sowieso schon jeder Cent fest eingeplant ist, um am Ende des Monats nicht im Minus zu stehen? Auch die Hartz IV Erhöhung von 8 Euro Anfang 2013 konnte die steigenden Kosten in all diesen Bereichen nicht auffangen. Zusätzlich werden noch viele andere Leistungen wie Kindergeld, Elterngeld oder Unterhalt, auf den Hartz IV Satz angerechnet, während Menschen mit ausreichendem Einkommen nichts von ihrem Einkommen abgezogen bekommen.

    Für Freizeit, Kultur, aber auch Bildung bleibt dabei nicht mehr viel übrig, denn auch die Mieten des knappen Wohnraums in Bonn und anderen Städten steigen unaufhörlich.


    Wo soll das Geld herkommen?

    Während all diese Punkte brennen und immer mehr Menschen betreffen, stehen auf den Agenden der Städte und Kommunen jedoch meist Großprojekte wie Stuttgart 21, der Flughafen Berlin/Brandenburg oder in Bonn das WCCB oder das Festspielhaus weiter oben. Brauchen wir wirklich solche Prestige-Projekte, wenn sich am Ende sowieso kaum jemand die Eintrittskarten leisten kann? Doch selbst diese Kosten sind nichts im Vergleich zu milliardenschweren Rettungspaketen, die für marode Banken bereitgestellt wurden, während der Staat im sozialen Bereich auf Eigenverantwortung pocht. Seit Jahren sinken die Reallöhne, auf der anderen Seite wurde aber 1996 unter Rot-Grün die Vermögenssteuer abgeschafft und die Gewebesteuern für Unternehmen sind weiterhin sehr niedrig. Während 2007 die ärmsten 50 Prozent der Bevölkerung in Deutschland nur 1,4 Prozent des privaten Gesamtvermögens besaßen, gehörten dem obersten Zehntel 66,6 Prozent und dem obersten 1 Prozent der Bevölkerung sogar 35,8 Prozent des gesamten Privatvermögens.xxx

    Diese Situation wird sich nicht ändern, solange wir nur auf die Gutmütigkeit der Politiker*innen vertrauen. Wir müssen selbst für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen kämpfen.

    Anstatt da zu kürzen, wo ohnehin schon zu wenig Geld vorhanden ist, müssen
    Vermögende und große Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden. Anstatt Milliarden von Euro für Waffen und Auslandseinsätze auszugeben muss dieses Geld für mehr Stellen für Lehrende und Erziehende und den Ausbau von Kitas, Schulen und Unis eingesetzt werden.


    Umwelt

    Unsere Erde ist bedroht. Die Geschwindigkeit, mit der unsere natürlichen
    Lebensgrundlagen vernichtet werden, wächst und wächst. Die Menschheit steht vor Problemen, die unser gemeinsames Überleben in
    Frage stellen.

    Eines davon ist die Atomenergie. Sie birgt gewaltige Risiken für Menschen und Umwelt.Obwohl siebekannt sind, wird seit Jahrzehnten kaum etwas unternommen. Zudem gibt es nach wie vor keine Lösung für das
    Atommüllproblem.

    Die risikoreiche Gentechnik zeigt wie gefährlich die Manipulation von Genen für Mensch und Natur beispielsweise von Monsantoxxxi sein kann. Die Resultate sind immer noch in vielen Fällen ungewiss. Es ist aber die Bildung von neuen Giftstoffen, Allergien, Resistenzen bis hin zu Krebs möglich. Des Weiteren gefährdet der Anbau von Gen-Pflanzen die biologische Vielfalt und führt zu einem vermehrten Pestizideinsatz. Der größte Produzent manipulierten Saatguts (Monsanto) beweist, dass auch versprochene Verbesserung für Bauern eine Farce sind. Viele Bauern leiden unter dem neuen Saatgut.xxxii

    Insgesamt möchten wir uns auch für eine Aufrechterhaltung unserer natürlichen
    Grundlage einsetzten. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass die G8/G7-Staaten nicht in der Lage sind weitreichende Lösungen zu
    formulieren. Also müssen wir weiterhin für den Erhalt unserer Umwelt kämpfen!


    Antisexismus

    Für die Befreiung der Frau, Gleichberechtigung aller LesBiSchwul-Inter-Trans-Menschen und gegen jede sexistische Kackscheiße!xxxii

    Im Kapitalismus gibt es neben der bereits dargestellten Teilung der Gesellschaft in wenige besitzende Reiche und massenhafte Lohnarbeitende und Arbeitslose auf der anderen Seite – wobei letztere krass unterdrückt sind – noch vielfältige andere Unterdrückungsstrukturen. Neben Rassismus ist hier insbesondere Sexismus zu nennen: Frauen werden in unserer Gesellschaft auf vielfache Weise unterdrückt und benachteiligt. Noch immer erhalten Frauen für gleiche Arbeit 22 Prozent xxxiii weniger Lohn als Männer. Zudem werden Frauen oft mit gleicher Ausbildung weniger gern eingestellt, da sie Kinder bekommen und so längere und häufigere Fehlzeiten haben.

    Jede dritte Frau wird im Laufe ihres Lebens Opfer von physischer, psychischer Gewalt bis hinzu Vergewaltigung. Täter sind in den meisten Fällen nicht irgendwelche kranken Fremden, sondern Väter, Brüder, Freundinnen oder Partner. Nur der Bruchteil der Vergewaltigungen und Gewalttaten werden zur Anzeige gebracht, in noch viel weniger Fällen werden Täterinnen verurteilt – weil Frauen nicht geglaubt wird, weil Polizei und Justiz nur weiter einschüchtern und nicht erbringbare Beweise fordern und somit Verurteilungen unmöglich werden. Und selbst wenn es zum Urteil kommt, erhalten Täterinnen weniger harte Strafen, als wenn sie beispielsweise Steuern hinterzogen oder Filme illegal runtergeladen hätten. Was es für die Betroffenen zu einer erneuten Demütigung werden lässt, einen solchen Prozess zu führen. All das legt Nahe, dass eine solche Aufklärung in der patriarchalen Gesellschaft gar nicht gewollt ist.xxxii

    Frauen sind in den allermeisten Fällen noch immer diejenigen, die für die Kindererziehung „zuständig“ sind. Frauen nehmen (mehr) Elternzeit, Frauen haben die Doppelbelastung mit Kindern und Job – weil von ihnen erwartet wird, dass sie weiterhin erfolgreich sind und weil sie es auch aus ökonomischen Gründen müssen, da die Rente eh schon viel zu gering ist.
    Insbesondere für alleinerziehende ist es eine unglaubliche Belastung, gleichzeitig für den Lebensunterhalt aufzukommen und für Kind(er) zu sorgen – und gerade sie sind von den Kürzungen besonders hart getroffen (vgl. Kürzungen bei Kultur, Bildung und Sozialem).xxxii

    Durch krassen Druck von Medien, Werbung und Modebranche wird Frauen suggeriert, sie müssten unnatürlich und dünn, ständig gestylt und nahezu Puppenhaft aussehen, um als Frauen akzeptiert zu werden. Immer mehr und immer jüngere Frauen werden unzufrieden mit ihrem Körper, fühlen sich unwohl und unsicher, machen Diäten oder Leiden unter Bulimie und Magersucht.
    Auch lesbische, schwule, bisexuelle sowie trans- und intersexuelle (LSBTI) Menschen werden in unserer Gesellschaft auf vielfache Weise unterdrückt, benachteiligt und in ihrer Lebensweise eingeschränkt.xxxii

    Das betrifft beispielsweise die Akzeptanz im Freundeskreis, die Suche nach einer Arbeit oder Ausbildung als auch Wohnungssuche, sowie Kinderadoption.
    Die Heteronormativität, also das Vorleben davon, das nur Mann- Frau- Beziehungen mit klaren Rollenbildern „normal“ und „wünschenswert“ sind, setzen LSBTI Menschen unter Druck und sind Risikofaktor für Depressionen und Suizidgedanken.xxxii

    Doch nicht nur Frauen und LSBTI Menschen leiden unter dem Sexismus dieser Gesellschaft, auch auf Männern liegt eine große Last:
    Sie sollen immer stark sein, dürfen nicht weinen, lernen nicht über Gefühle zu reden, haben ebenfalls großen Druck bezüglich ihres Aussehens, denken vielleicht sie müssten der Ernährer der Familie sein und sind so ebenfalls unterdrückt von den kranken Rollenbildern dieser Welt.
    Kirche, Medien, Schulbücher und vieles mehr setzen diese Rollenbilder als Norm und machen es für einzelne oft unmöglich, sich dagegen zu erheben.xxxii

    Gegen all das kämpfen wir an. Wir sind uns dabei bewusst, dass sich diese Zustände nicht durch irgendwelche Frauenquoten, durch gendern in der Sprache oder ähnliche Maßnahme wirklich beheben lassen. Wobei diese trotzdem wichtig sind, weil sie endlich ein Bewusstsein zumindest für einen Teil dieser Missstände schaffen..xxxii

    Um diese ekelhaften Zustände wirklich beseitigen zu können, brauchen wir eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Für diese kämpfen wir gemeinsam!xxxii


    Anmerkungen

    i
    Span. für Vorwärts

    ii
    .

    iii
    Vgl. Bundesministerium für Familie und Arbeit, Zahlen von 2002

    iv
    http://www.fr-online.de/blockupy-frankfurt/blockupy-kommentar-endlich-antworten,15402798,23476146.html

    vi
    Stattliche Finanzierung der NPD, Jährlich über 1 Mio. € :
    http://de.wikipedia.org/wiki/Parteienfinanzierung
    Finanzierung durch sog. V-Leute :
    http://www.zeit.de/2012/43/V-Leute-Rechtsextremismus

    viii
    Münchener Oktoberfest-Anschlag :
    http://de.wikipedia.org/wiki/Oktoberfestattentat

    x
    Siehe Neoliberalismus:
    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/120110_neoliberal_2012.pdf.

    xi
    Vgl. hierzu: Informationsstelle Militarisierung (IMI) e. V. (Hrsg.);
    Experimentierfeld Afghanistan. Zehn Jahre Krieg und kein Ende in
    Sicht, 2012 Tübingen.

    xii
    Vgl.: http://imi-online.de/download/fact_sheet_afghanistan2010.pdf.

    xiii
    Dies bestätigt das Strategiepapier der Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zur Rohstoffsicherung:
    http://www.bmwi.de/Dateien/BMWi/PDF/rohstoffstrategie-der-bundesregierung.

    xiv
    Vgl.: http://www.zeit.de/1988/41/worte-von-franz-josef-strauss / Später warb Straus für eine atomare Aufrüstung der BRD.

    xv
    http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCstungsindustrie#Waffenexport.

    xvi
    Deutsche Polizei in der Türkei:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutschland-bildet-tuerkische-polizisten-aus-a-906433.html

    und
    in Weißrussland:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/weissrussland-deutsche-polizei-bildete-lukaschenkos-milizen-aus-a-851780.html

    xvii
    Siehe zum Umbau der Bundeswehr zu einer international operierenden Interventionsarmee: http://imi-online.de/download/factsheet_bundeswehrreform_web.pdf.

    xviii
    „Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.“ Horst Köhler in einem Interview mit dem Deutschlandradio.

    xix
    Damit sind westliche Konzerne gemeint, die aber in zahlreichen Ländern operieren und dabei Profite, Wissen und Rohstoffe meist
    einseitig ins eigene Land oder zumindest die Länder der westlichen Welt transferieren.

    xx
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kongogr%C3%A4uel.

    xxi
    Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Industrielleneingabe.

    xxii
    Z. B.: Chile, Panama, Irak usw.

    xxiii
    Vgl. Hannes Hofbauer (Hrsg.):
    Balkankrieg.
    Zehn Jahre Zerstörung Jugoslawiens
    ,
    Wien 2001.

    xxiv
    Vgl. Brar, Harpal; Imperialismus im 21. Jahrhundert. Sozialismus oder Barberei, Bonn 2001, S. 17.

    xxv
    Was wir fälschlicherweise „Arbeitnehmer“ nennen, ist in Wirklichkeit jemand, der seine Arbeitskraft verkaufen muss, um leben zu können, weil er selbst keine Produktionsmittel besitzt. Der „Arbeitnehmer“ gibt seine Arbeitskraft demjenigen, der die Produktionsmittel besitzt, also jemandem, den man zu Recht Arbeitnehmer nennen sollte. Du kannst ihn aber auch Unternehmer, Ausbeuter oder Eigentümer nennen, nur bitte nicht Arbeitgeber!

    xxvi
    http://www.handwerkermarkt.de/nachrichten/beruf-und-ausbildung/lernen-im-leben-ausbildung-und-praktikum/mehr-geld-fuer-lernen-bildungshaushalt-2012-steigt-auf-12-9-milliarden
    /

    http://www.bundeswehr-monitoring.de/auftrag-und-struktur/haushalt-2012-vom-bundestag-beschlossen-12354.html

    xxvii
    http://www.gew.de/Binaries/Binary66923/transparent_110neu.pdf

    xxviii
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ranking-der-kita-preise-in-40-staedten-zeigt-her-eure-krippen-11956717.html

    xxix
    http://hartz-iv-blog.de/2007/10/19/detaillierter-hartz-iv-arbeitslosengeld-ii-alg-ii-regelsatz/

    xxx
    http://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gensverteilung_in_Deutschland#.C3.9Cberblick_

    Verm.C3.B6gensverteilung_2002_-_2007

    xxxi Film:
    Monsanto – Mit Gift und Genen

    xxxii Monsanto
    in Indien – 250.000 Selbstmorde:
    http://www.taz.de/!77350/

    xxxiiihttp://de.statista.com/statistik/daten/studie/3261/umfrage/gender-pay-gap-in-deutschland/